Stärke

 

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie weit ich gehen musste, um heute hier so zu stehen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Schläge ich einstecken musste, um heute hier so zu stehen.

Wie oft ich mich wieder aufraffen musste, um wieder auf meine Beine zu kommen.

Wie oft ich länger als ich es mir je hätte vorstellen können an meinen Fingerspitzen an einem Abgrund hing und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwierig es war, diese angespannte Faust zu lösen.

Wie ich in der tiefsten Dunkelheit Hoffnung suchte mit dem Blick nach jedem noch so kleinen Licht.

Wie oft mir die Luft weg blieb, ich mich am Leben hielt mit jedem noch so kleinen Atemzug.

Wie oft ich meine riesige Scham Stück für Stück überwinden musste, um heute hier so zu stehen.

Wie oft ich eine Maske aufsetzte und wie schwer es doch war, sie nach und nach abzusetzen.

Wie schwer es doch war, mich zu rechtfertigen, weil ich meinen eigenen Weg einfach noch nicht sah.

Wie schwer es doch war, an mich zu glauben als es kein anderer tat.

Wie weh es doch tat, belächelt zu werden und mit einem gekünstelten Lächeln darauf zu reagieren.

Wie weh es doch tat, Worte zu sagen, die nicht meine waren.

Wie weh es doch tat, mich zu verstecken aus Angst, ich könnte meinen Gegenüber erschrecken.

Wie oft man mir doch sagte, dass ich das nicht könnte, wie sehr ich daran glaubte, dass mein so Sein nichts wert sein könnte.

Wie oft wurde ich gehört, doch Gehör fand ich nicht wie oft wurde ich gesehen doch mit falschen Augen.

Doch all das war nötig, zur Erkenntnis meines wahren Ichs.

Hätte mir nie vorstellen können, dass mich diese Nacktheit so befreit und jetzt hier im Moment kann ich stolz mit erhobenem Haupt sagen, dass es all das wirklich wert ist.

Die Sammlung dieser Stärke, das ist die reinste Form der Freiheit:

Vollkommen ich zu sein schutzlos, nackt, unabhängig von jeglicher Reaktion, die mein Gegenüber macht.

Ob nun ein Applaus folgt oder nicht, spielt keine Rolle, da keine Erwartung aus mir spricht.